Die Suche nach dem ethischen Imperativ

Seit der Antike weist das Orakel von Delphi den nach Glück strebenden Menschen zur Selbsterkenntnis («Erkenne dich selbst»). Eremiten, Asketen, Einsiedler, Mönche und Alchemisten waren stets auf dem Weg nach dem Ideal der Selbstveredelung.

Die Arbeit an sich selbst ist der Anfang zur Toleranz und Menschenliebe.

Freimaurerei – eine sinnbildliche Baukunst

Aus den mittelalterlichen Bauhütten entstanden, stellt die Freimaurerei heute eine sinnbildliche Baukunst dar, deren Baustein der einzelne Mensch ist. Das Jahr 1717 wird als das Geburtsjahr der modernen Freimaurerei betrachtet.  Damals nahmen Logen auch Kaufleute, Künstler, Ärzte oder Adelige auf, die die Baukunst der Maurer, deren Wissen und Gedankengut nicht handwerklich, sondern geistig weiterführten.

Als Fundament der Freimaurerei gelten das Zeitalter der Aufklärung und die Gedanken ihrer wichtigsten Geistesgrössen. Der «Austritt des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit», wie es Immanuel Kant umschrieb, fordert die innere Befreiung des Individuums von überlieferten Dogmen oder Vorurteilen. Die Philosophie der Aufklärung – über die in Zeitschriften, Clubs, aber noch viel mehr in Freimaurerlogen debattiert wurde – führte schliesslich zur Französischen Revolution und der Ausrufung der Menschenrechte.

Eine humanitäre Bewegung

Freimaurerei, eine international verbreitete Bewegung von humanitärer, der Toleranz verpflichteter, auf Bruderschaft abzielender Geisteshaltung, die in rituellen Arbeiten vermittelt wird. In Achtung vor der Würde jedes Menschen treten Freimaurer für Toleranz, freie Entfaltung der Persönlichkeit, Hilfsbereitschaft, Brüderlichkeit und allgemeine Menschenliebe ein. Grundlage der Freimaurerei ist die Überzeugung, dass alle Konflikte ohne zerstörerische Auswirkungen ausgetragen werden können, wenn ein ausreichendes Vertrauensverhältnis zwischen den Menschen verschiedenster Absichten und Überzeugungen geschaffen werden kann.